Nachgefragt! Interview mit Manuel Sailer

Manuel Sailer ist Altenpflegehelfer aus Augsburg

Wie geht es den Menschen mit pflegenden Berufen in diesen schwierigen Zeiten? Stellt man die Frage vielen, dann wird man auch viele, verschiedene Antworten bekommen. Und doch gibt es ein paar grundlegende Gedanken, Wünsche und Aspekte, die sich sehr ähneln.

Einer von ihnen hat mit uns gesprochen, Manuel Sailer, ein Altenpflegehelfer aus Augsburg.

icho systems: Servus nach Augsburg, Manuel und Danke, dass du uns ein paar Fragen beantwortest.

Manuel Sailer: Kein Problem, mein Mittagsdienst fängt erst um 14 Uhr an.

icho systems: Du arbeitest in einem Seniorenheim, das früher mal ein Kloster war, später dann zum Pflegeheim umfunktioniert und auch früher von Nonnen geleitet wurde.

Manuel Sailer: Ja, das ist richtig. Ich arbeite in dem Bereich, in dem neben anderen Bewohnern eben auch die Nonnen nach ihrer Dienstzeit ihren Ruhestand verbringen. Das macht es ein bisschen besonders.

icho systems: Seit wann bist du dabei und warum hast du dich gerade für diesen Beruf entschieden?

Manuel Sailer: Ich habe in 2012 eine Umschulung gemacht. Ich habe vorher als Maler und Anstreicher gearbeitet, also ein echter Handwerksberuf. Eigentlich war es aber schon nach der Schule mein Wunsch, irgendetwas im sozialen Bereich zu machen. Das hat erst mal nicht geklappt. Dann wurde mein Vater sehr krank und gemeinsam mit meiner Mutter haben wir ihn bis auf einige Krankenhausaufenthalte bis zu seinem viel zu frühen Tod zu Hause gepflegt. Das war für mich der auslösende Moment. Ich wusste, dass ich Pfleger werden wollte. So habe ich mich dann für eine Ausbildung als Altenpflegehelfer beworben.

icho systems: Der Job ist verdammt hart und nun in dieser schwierigen Zeit ja auch nochmal eine zusätzliche Herausforderung. Würdest du es trotzdem wieder so machen?

Manuel Sailer: Ja, absolut. Ich habe es nie bereut. Es ist manchmal schwierig, klar, aber das gibt es in anderen Jobs ja auch. Nein, ich möchte nicht etwas anderes machen. Man gibt viel, aber man bekommt echt viel zurück.

Herzen

icho systems: Jetzt in diesen Corona-Zeiten gibt es für euch weitere Belastungen.

Manuel Sailer: Es gibt einfach durch besondere Hygiene-Maßnahmen mehr zu tun. Klar, der Reinigungsdienst ist ja auch ohne Corona im Einsatz. Aber das reicht im Moment nicht aus. Wir desinfizieren natürlich sehr häufig und ausgiebig. Da muss jeder anpacken, das schafft der Putzdienst allein nicht.

icho systems: Wie war die erste Zeit für euch und die Bewohner, als wirklich niemand mehr von außen zu Besuch kommen durfte?

Manuel Sailer: Die Zeit ist ja wieder vorbei, Besucher dürfen unter bestimmten Maßnahmen wieder ihre Angehörigen sehen. Es war natürlich am Anfang nicht leicht. Insgesamt würde ich aber sagen, dass diese ganze Zeit auch einen positiven Effekt hatte.

icho systems: Was meinst du damit?

Manuel Sailer: Die Bewohner sind zusammengerückt. Viele haben einfach mehr Zeit miteinander verbracht, es gab ja keinen Besuch von außen. Dadurch haben sich hier die Leute besser kennengelernt, viel gemeinsam erzählt, miteinander gesungen, sich einfach ausgetauscht.

icho systems: Eine soziale Betreuung gibt’s bei euch natürlich aus. Wie sieht euer Angebot aus?

Manuel Sailer: Da gibt es einiges an Entertainment, Singen, Tanz, Musik, Basteln, Töpfern und Gymnastik nicht zu vergessen. Es ist immer was los. Das mache ich selbst ja nicht, klar, der Pflegebereich ist etwas anderes. Aber ich begleite unsere Bewohner natürlich oft dorthin.

icho systems: Was kommt bei den Leuten am besten an?

Manuel Sailer: Ganz klar das Singen. Wir haben zurzeit eine Frau dort, die leider im Endstadium einer Demenz ist. Aber wenn gesungen wird, reagiert sie sofort und fängt an, die Arme zu schwenken und versucht, auch mitzusingen. Das funktioniert wirklich bei fast allen immer am besten.

icho systems: Ja, das hören und erleben wir auch immer wieder und können das hundertprozentig bestätigen. Manuel, wann hast du das erste Mal von ichó gehört?

Manuel Sailer: Ich habe ichó zum ersten Mal in der Reportage von Martin Rütter gesehen. Das fand ich ziemlich cool.

icho systems: Manuel, wenn die gute Fee käme und du hättest drei Wünsche für deinen beruflichen Alltag frei. Was wäre das?

Manuel Sailer: Ganz klar mehr Personal für jede Einrichtung in Deutschland. Da sage ich bestimmt nichts Neues, das werden die meisten Kollegen sagen. Dann wünsche ich mir auch ein besseres Gehalt. Wir haben jetzt ein paar Sonderzahlungen bekommen. Aber trotzdem würden wir uns alle über eine dauerhafte finanzielle Anerkennung für unseren Beruf freuen. Und als Drittes würde ich mich echt über einen ichó in unserer Einrichtung freuen.

icho systems: Alles für uns sehr nachvollziehbare Wünsche. Manuel, vielen Dank für deine Zeit und für unser Gespräch. Wir wünschen dir und all deinen Kollegen überall in Deutschland, dass ihr gesund durch diese Zeit kommt. Und wir wünschen euch die Anerkennung, ihr habt es wirklich verdient.