Corona-Profis?! Aus welchen Fehlern wir lernen können.

Die Infektionszahlen des Coronavirus COVID-19 in Deutschland steigen wieder deutlich an. Das war vorauszusehen, das ist für kaum jemanden noch eine Überraschung.

Jeden Tag werden wir rund um die Uhr berauscht von einer Informationsflut von Zahlen. Führt das nicht auch zu einer gewissen Abstumpfung, zu einer Resignation? Bei mir und auch in meinem Umfeld stelle ich das schon fest. Das birgt natürlich die Gefahr, dass man nicht mehr genau auf Statistiken und entsprechende Warnungen schaut.

Es birgt aber auch eine Chance auf etwas Gutes. Wir haben den Anfang des Jahres mit Panikstimmung, Hamsterkäufen, Lockdown-Maßnahmen und die Suche nach der richtigen Maske noch sehr gut in Erinnerung. Nun sind wir schon alle ein bisschen „Corona-Profis“.

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Das hilft uns, jetzt etwas gelassener – nicht unvorsichtiger – eben nur etwas entspannter mit der Situation umzugehen. Wir können beherzt in unseren großen Vorrat an Masken greifen, wir wissen jetzt, dass sie schützt und es sind genügend vorhanden. Wir wissen, dass es in Deutschland ausreichend Toilettenpapier über den Winter geben wird. Wir wissen, über die Maßnahmen, die jetzt notwendig sind und können alle schneller reagieren. Vieles muss nicht nochmal erklärt werden. Das ist gut, das hilft.

Ein sehr wichtiges Thema hat sich ebenfalls unter Menschen herumgesprochen: Senioren, Kranke, Pflegebedürftige in Pflegeeinrichtungen komplett zu isolieren oder auch zu Hause allein ohne Besuch zu lassen, darf sich so nicht wiederholen. Das hat ihnen einfach nicht gutgetan. Eine Seniorin in einem Pflegeheim hat inzwischen sogar gegen ihre „Isolationshaft“ geklagt und vor Gericht Recht bekommen. Ich würde sie gern mal kennenlernen.

Viele alte Menschen sind in den ersten Monaten dieser Pandemie einsam gestorben. Jedes einzelne Schicksal war grausam, eins zu viel und darf sich so nicht wiederholen. Es muss ein Weg gefunden werden, unter guten, hygienischen Maßnahmen möglichst viel Besuch zuzulassen. Es muss schnell gehandelt werden, dass es genügend Personal in Einrichtungen gibt.

Wir von ichó hatten in den letzten Monaten trotz großer Einschränkungen immer wieder die Gelegenheit, in Pflegeeinrichtungen vorzusprechen und unseren ichó zu präsentieren. Trotz des hohen Arbeitsaufkommens und all dem Kummer dort vor Ort sind uns so viele mutige, freundlich zugewandte und an ichó sehr interessierte Mitarbeiter begegnet. Und sie alle sind sich einig, dass es jetzt darauf ankommt, die Bewohner und ihre Angehörige nicht in dem Maße wieder zu isolieren. Wir müssen da kreativer und besser werden.

Es bedarf großer Sorgfalt und einen Leitfaden an hygienischen Maßnahmen. Das ist völlig klar.

Aber vor allem braucht es jetzt bei den Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben, arbeiten oder nur auf einen Besuch hereinschauen ein hohes Maß an gesundem Menschenverstand, an Herz und Bauchgefühl.

Ich bin sicher, die allermeisten haben genau davon genügend.