­­Digital und trotzdem nah – wie geht das?

Abstandsregeln, Hygienemaßnahmen, Spielen, Lernen und Unterhaltung auf Distanz. Wir alle sind mittlerweile ständig damit konfrontiert. Noch vor einem dreiviertel Jahr konnte ich mir selbst noch nicht viel darunter vorstellen, aber zwischenzeitlich hat man sich an vieles gewöhnt und kreative Lösungen für den Umgang mit der neuen Situation gefunden.

Bei meiner 7-jährigen Tochter wurde gerade erst abgefragt auf welche digitalen Endgeräte sie zu Hause zurückgreifen könne, sofern Distanzunterricht nötig würde. Hinter den Kulissen bereiten sich die Lehrer schon seit Monaten, innerhalb ihrer Möglichkeiten darauf vor, Schüler nicht mehr nur in der Schule zu unterrichten, sondern auch zu Hause. Auch wenn noch hinsichtlich des Digitalisierungsgrades an den Schulen viel Luft nach oben ist, ist deutlich erkennbar, dass das Bildungssystem nun kreativ und deutlich vorbereiteter als noch im Frühjahr in die Wintermonate mit erwartungsgemäß hohen Inzidenzzahlen zusteuert.

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Im Austausch mit den Pflegeeinrichtungen habe ich dieses Thema in den letzten Monaten auch immer wieder mit aufgenommen und nachgehört, wie sie sich auf die Situation mit eingeschränktem Kontakt zu Angehörigen eingestellt haben und welche Lösungen für die kommenden Monate mit voraussichtlich wieder strengeren Einschränkungen entwickelt werden. Schon allein aus persönlicher Erfahrung, weiß ich, dass der dauerhafte Verzicht auf individuelle Ansprache und der persönlichen Kontakt zur Familie, Vertrauten und Freunden keine Option ist, weder in ganz jungen Jahren und ganz besonders nicht im letzten Lebensabschnitt.

Und auch in der Öffentlichkeit werden die Stimmen lauter, die vor den Folgen der sozialen Isolation warnen. So jüngst der Gesundheitsbeauftragte Andreas Westerfellhaus.

–            Der Erhalt der Selbstbestimmung ist dringend notwendig            –

In meinen Gesprächen mit den Sozialen Betreuern und Pflegern höre ich, dass zuletzt zunehmend, mit viel Mühe und Engagement, digitale Medien eingesetzt werden, um zum Beispiel über Videotelefonie den Kontakt zwischen Bewohnern und Angehörigen herzustellen. Allerdings wurde mir auch immer wieder berichtet, dass dies nur bedingt funktioniert, weil ein echtes Gespräch, bzw. eine zwischenmenschliche Interaktion nicht zu Stande kommt und im Ergebnis auf beiden Seiten als nicht erfüllend wahrgenommen wird.

Eine Erklärung dafür können wir von ichó aus unserer Entstehungsgeschichte ableiten, denn auch wir haben zunächst mit den Großeltern versucht über Handy oder Tablets in den Austausch zu kommen. Da jedoch unserer Großeltern weder mit diesen Medien großgeworden sind und wir auch erkennen mussten, dass mit zunehmendem Schweregrad der Demenz das Abstraktionsvermögen schwindet, gleichzeitig Interaktionen zunehmend über nonverbale Ansprache und Reizsimulation erfolgen, sind wir auf die neutrale und zugängliche Ballform als Medium gewechselt mit entsprechenden Apps, die Assoziationsketten lösen können und ein Gespräch, einen Austausch in Gang bringen.

Von den Menschen, die deutschlandweit in Pflegeeinrichtungen leben, sind durchschnittlich rund 70% der Menschen an Demenz erkrankt. Den Zugang zu diesen Menschen zu schaffen und so einen Gesprächsfaden aufzunehmen, der zu einer echten zwischenmenschlichen und erfüllenden Interaktion wird, gelingt nur selten auf Knopfdruck. Entsprechend schwierig gestaltet sich der Kontakt zu Angehörigen per Videotelefonie. Nun ist die Situation wie sie ist und es müssen kreative Lösungen her. Für uns von ichó liegt auf der Hand, dass die Videotelefonie mit ichó kombiniert werden sollte. In der Anfangszeit übernimmt die Fachkraft eine moderierende Rolle, indem sie mit dem Bewohner und ichó interagiert und sukzessive werde die zugeschalteten Angehörigen in den Austausch integriert. Bestenfalls mündet das Ganze in einem bunten Gespräch mit viel positiven Bestärkungen für alle Beteiligten.